Regelmässig kommt mir auf einem Waldweg beim Joggen ein Rentnerpaar entgegen. Langsam und bedächtig schlurfen sie auf dem alten Laub entlang, schauen sich konsequent nicht an und lassen die Zwergenausgabe eines Haushundes zwischen ihnen dribbeln. Hektisch schnüffelt der an Spuren von Vorgängern und tänzelt mal um ihre und um seine Füsse herum. Der Rentner schaut den Hund kaum an, weiss um ihn aber kümmert sich nicht um ihn. Sie hingehen gibt liebevolle Kommandos von sich wie „so ich recht“ oder „muesch uffbasse“, steuert so das Tier da, wo es keine Steuerung braucht.

Der Hund ist ein Surrogat. Zumindest für sie. Denn man hat sich nichts mehr zu sagen, kann die Spaziergänge doch nicht sein lassen, weiss aber nichts miteinander anzufangen. Für ihn scheint es kein Problem zu sein, einfach das tägliche Laufprogramm nebeneinander her zu zelebrieren. Ihr kommt das nicht zupass. Ohne den Hund geht das nicht. Also spricht sie eine Etage tiefer mit dem Tier, so als hoffte sie, dass die Sätze wie in einem akustischen Ping Pong vom Waldboden abprallen könnten und fast mit 90 Grad Winkel doch sein Ohr erreichten.

Die Vögel zwitschern, ich bin mit meinem schnaufenden Atmen schon von weitem zu hören, sage lauf und deutlich „Guten Tag“ beim Vorbeirennen. Keiner der beiden antwortet. Das Hündchen will mir noch nachrennen, sie kommandiert aber zurück.

Liebevoll.