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Wir stehen also vor dieser Globusprojektion im Museum, und die etwas kurzatmige Referentin führt uns durch eine Zeitreise. Wie die Erde vor Jahrmillionen ausgesehen hat. Kontinalplattentechnisch. Und wie sie bald aussehen könnte. Also in spätestens 100 Millionen Jahren. So etwa, wie auf dem Bild. Wobei hier ganz frech angenommen wird, dass Moskau und Mekka dann noch Relevanz besitzen. Oder Zürich, das hier noch gerade auf dem Bild zu erkennen ist. Was man auch gut sehen kann: Dann wir die Angrenzung von Afrika und Europa eine andere sein, und auch der Mittlere Osten wird nicht mehr ganz so aussehen, wie wir das heute gewohnt sind. Denn die Kontinalplatten verschieben sich. Und damit auch die Küsten. Vor allem die am Mittelmeer. Oder genauer gesagt: Das Mittelmeer wird verschwinden.

Aus, bumms, Totenstille, die Referentin atmet wieder kurz ein.

Und in diese Stille hinein hört man von weiter hinten zwei Sätze. „Dann müssen wir uns einen anderen Urlaubsort suchen“ und „Super, spätestens dann hat sich das mit den Bootsflüchtlingen wohl erledigt.“

Ein lockeres Lachen folgt dem ersten Satz, ein weniger offenes dem zweiten. Da wird man schon vorsichtiger. Wie der Mann das wohl gemeint hat. So wie „dann haben die armen Flüchtlinge endlich wieder einen Landweg“ oder doch eher „Das wird die dann schon abhalten“. Man weiss es nicht genau, denn der Mann sagt zwar den Satz, zeigt dann aber keine Regung mehr. Es kann ja auch politisch unkorrekt gemeint sein. Da soll man vorsichtig sein, also verebbt das Lachen schnell wieder.

Die Referentinmerkt kurz auf und gibt dann wie unter Trance von sich: „Auf der Erde ist eben nichts so sicher.“