(10) Schreiben. Zug.

Im Vollbesitz eines General Abonnements kann ich nir einen Luxus leisten, der es sich gewaschen hat. „Freie Zugfahrt“ in der Schweiz ein ganzes Jahr lang. Und ich liebe Zugfahren in der Schweiz. Wilde Streckenführung, pünktliche und angenehme Züge laden zu einem Rundtrip an Sonntagen ein. Ich schreibe gerne im Zug, nehme dazu einfach meinen Laptop mit, ein wenig Kaffee und hämmere in die Tasten, bis ich nach etwa zwei Stunden an meiner ersten Pause ankomme.

So auch diesen Sonntag. Ich will nach Andermatt, und von da aus über Disentis nach Chur und zurück nach Zürich, weil ich einen längeren Text schreiben möchte. Aber der Bahnof in Zürich zeigt mir, dass das heute ein wenig anstregender sein könnte, denn im vorderen Zugteil kommen ungezählte Skischüler zu sitzen, also verkrümele ich mich für etwas Ruhe in den hinteren. Der Teil fährt aber nur bis Arth Goldau, ich müsste umsteigen.

Andere Idee, ich spiele Zugroulette, fange zu schreiben an bis zum Halt und steige dann auf dem gegenüberliegenden Gleis in den Zug, der dort gerade steht. Das könnte mich nach Luzern oder Zürich bringen. Oder aber eben nach Bellinzona. Ich fahre einfach ins Tessin weiter und geniesse den Ausblick auf den Vierwaldstätter See, während ich inspiriert vor mich hin schreibe.

Ich war tatsächlich vorher noch nie in Bellinzona ausgestiegen…was sich aber lohnt, denn die unterste der drei Burgen hatte ich auch noch nie von innen gesehen. Was sich aber…

Eine Besichtigung und einen Sandwich später sitze ich wieder im Zug zurück nach Zürich, schreibe meinen Text fertig (Version 0.9) und komme wieder in der Stadt. Die Fahrt in das sonnige Tessin und zurück in den Nebel wirkt wie ein Traum, aber das ist mit dem Verfassen eines Textes ähnlich. Die eigene Sprache baut Traumbilder auf, die ins sich zusammenfallen, sobald man die Augen wieder aus dem Bildschirm oder dem Stück Papier hebt.