Weil es mich so schön entspannt und positiv auflädt, fahre ich ab und an mit einem Zeichenbuch und Stiften in die Schweizer Alpen und zeichne Berge. Dabei geht es nicht um Genauigkeit, mehr um ein langsames Versenken in den Berg und seine Umrisse.
Der Weg führte mich sonntags nach Grindelwald. Mit Trillixiarden voller Menschen aus Indien, China und Japan, die den Berg einfach fotografieren.

Schnell rein nach Grindelwald, voll auf die Eiger Nordwand gehalten und dann zum Inder oder Chinesen zum Mittagessen. Phhh, das wollte ich nicht, also machte ich mich zu Fuss (!) in Richtung Grindelwald Grund auf. Zeichnen. Langsam. Europäisch.

Ich sass auf der Bank, entspannte und freute mich am Anblick des Berges, den ich so liebe, dass ich sogar Steine aus seiner Nordwand neben meinem Schreibtisch stehen habe. Was für ein Koloss. Ich kannte seine Form auswendig. Ich inhaliere diesen Berg seit Jahrzehnten. Sollte nicht so schwer sein.

War es aber. Sieht ganz anders aus. War auch nach 30 Minuten schon fertig. Ging voll daneben. Das ist nicht die Eiger Nordwand wie man sie in Grindelwald sieht. Oder doch, das ist die Eiger Nordwand, wie ich sie in Grindelwald Grund gesehen habe. Das ist sie in mir an diesem Tag. Die ganz persönliche Nordwand. Deshalb zog ich nach einer Stunde wieder ab. Alles gut. Schön war der Tag.
