(1) (44) Left. Field.

Pulsierende Konzert, die auf Kontrollverlust hinarbeiten, haben etwas von einer Körpermesse. Sie sind nicht weit von einer Gruppenorgie entfernt, aber sie haben eine klare Abgrenzung. Es geht um Berührung in der Musik, aber nicht um Sex. Soweit die Theorie. Und meine Erwartungen an den Leftfield Gig in der Roten Fabrik waren hoch. Musikalisch schiesst hier immer noch das Level das Dach weg, die Halle ist genau so gross, dass man nah an den Leuten aber gross genug in der Menge sein kann. Dachte ich.

Irgendwie muss ich die Türöffnung mit dem Konzertbeginn verwechselt haben, denn ich war der erste Gast, wurde am Bierstand sogar noch für einen Teil des Staffs gehalten. Aber ich habe begriffen, das ist grossartig, so komme ich im Konzert ganz vorne hin. Leftfield sind für ihre irre lauten Konzerte bekannt, aber vorne in der Mitte sind die PA Lautsprecher an meinen Ohren vorbei. Und alle die sich bewegen wollen im Konzert sind bei mir. „Kontakt“ von Peter Gabriel fällt mir dazu ein.

Nach den ersten Tracks tropfte der Schweiss von der Decke, wir waren inmitten des Floors und bewegten uns. Hände strichen an mir entlang, ich geriet an einen schweissigen Körper. Männlein, Weiblein, egal, allen dabei klar, dass es hier nicht um Anmache geht. Sich spüren im Tanz, sich dabei nicht kennen, nur den Körper eines anderen vor sich oder hinter sich wahrnehmen, im gleichen Takt. die Musik dazu. OK, nennen wir es für einen Moment Sex, aber das trifft es nicht, es ist besser weil achtsamer und unbedachter, nicht auf weiteres aus. Ich liebe es. Ich verlasse den Ort, sobald die ZUgaben beginnen, ich will den MIttanzenden nicht in die Augen schauen danach. Wir haben uns nichts mehr zu sagen, wenn die Musik aufhört.