Du nimmst was Du kriegst. Zum Beispiel diese formschönen Radkappen an einer ehemaligen Zollstation (bayerische Seite) zwischen Mittenwald und nirgendwo. Wenigstens kommt man so auch auf offener Strecke zu einem Kleinod der mitteleuropäischen Strassenrandgestaltung. Froh kann man sein, wenn nicht alles, was auf der Strasse liegen bleibt, dabei verarbeitet wird. Wie leicht könnten sonst mumifizierte Waldtiere als Windfänger eingesetzt werden. Besser nicht. Oder schlimmer: Die Zollbeamten müssen sich ihren wohlverdienten Ruhestand noch Jahrzehnte nach Schengen mit einer mehrstündigen Schicht als Jubelpublikum an der ehemaligen deutsch-österreichischen Grenze verdienen. Als Jubelperser des freien Warenverkehrs. Das will man dann auch nicht. Dann lieber Radkappen. Die sind auch schön und motzen auch bei Regen und Schnee nicht.

Ich kann mich an eine Wirtschaft erinnern, da hing eine Wand voller Skispitzen herum. Abgebrochene. Vermutlich Materialermüdung. Es könnte natürlich auch sein, dass die wehrlosen Schneesportler ihrer Geratenden verlustig gingen und sich der Wirt einen Spass machte, allzu heftige Zecher mit einem abgebrochenen Holz zu bestrafen. Was für ein Spaß. So gesehen könnte natürlich dann eine Radkappe mit Vaseninhalt auch auf die Asche eines früheren Schmugglers hindeuten, dem man nach erfolgtem Füsilieren immerhin noch ein luftig schönes Grab mit Blicke auf die umliegenden Berge gönnen wollte. Aber soweit will ich meine Fantasie hier gar nicht schweifen lassen. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Ding wirklich um zwei abgefallene Radkappen, die achtlos zuerst am Wegrand liegen geblieben waren. Und einer der Zöllner hat sich schlichtweg erbarmt, sie einer neuen Bestimmung zugeführt.

Es gibt so viele Möglichkeiten, die Welt ein wenig schöner zu machen.